Diagnose

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Diagnose der Pankreatitis

 

Die Diagnose der Pankreatitis setzt sich aus einzelnen Puzzleteilchen zusammen.

Zuerst wird der Tierarzt die oben beschriebenen Symptome während des ersten Gespräches und einer anschließenden klinischen Untersuchung registrieren und abwägen, ob es sich lediglich um eine einfache Magen-Darmverstimmung handelt oder um eine andere Erkrankung im Bereich des Magen-Darmtraktes. Nicht jeder Durchfall oder jedes Erbrechen ist gleich eine schwerwiegende Erkrankung.

 

Der Diagnoseplan

  • Annamese (Gespräch mit dem Hundebesitzer)
  • Klinische Untersuchung
  • Blutuntersuchung (kleines Blutbild, Blutchemie, Pankreasspezifische Enzyme)
  • Röntgenuntersuchung
  • Ultraschalluntersuchung
  • Kotuntersuchung

 

 

Fallbeispiel eines Patienten der an einer akuten Pankreatitis erkrankt ist!
Ermittlung der Diagnose aufgrund der erworbenen Fakten während des oben beschriebenen Diagnoseplans. Dieser Plan ist nicht die allerwelt Formel, es bleibt jedem Tierarzt selbst überlassen, wie er seine Diagnose stellt.

 

Bericht des Besitzers:

Der Hund leidet seit längerer Zeit an Durchfall und Erbrechen und ist sehr schlapp, fast schon depressiv.

Faktensammlung aus dem Gespräch, der Tierarzt stellt gezielte Fragen:

Welche Symptome?
Seit Wann?
Hat ein Futterwechsel stattgefunden?
Wann wurde der Hund das letzte Mal entwurmt, wie oft wird der Hund generell im Jahr entwurmt?

? Allgemeinbefinden: matt, träge, Bewegungsunlust, macht einen Katzenbuckel, Bewegungsunlust
? Futteraufnahme: verweigert FA, ständiges Erbrechen
? Urinabsatz: vermehrt
? Kotabsatz: vermehrt Durchfall, Kosistenz: breiig, stinkt

 

Klinische Untersuchung durch den Tierarzt:

Herzfrequenz: gesteigert
Atemfrequenz: beschleunigt, Hecheln
Schleimhäute: trocken und rötlich,gelblich
Abtasten der Bauchhöhle: schmerzhaft im vorderen Anteil der Bauchhöhle
Körpertemperatur: erhöht, >39,00 °C

 

Blutuntersuchung:

Kleines Blutbild:

Entzündungszellen/weiße Blutkörperchen/Leukozyten:erhöht
Hämatokrit:erhöht
Anämie

 

Biochemische Blutparameter

Erhöhte Leberwerte (ALT,AST,AP)
Metabolische Azidose
Lipidämie
Azotämie (prärenal und renal)
Hyperbilirubinämie

Pankreas-spezifische-Enzyme im Blut

Amylase: erhöht, um das 2-3fache
Lipase: erhöht, um das 2-3fache
Trypsin: erhöht

canine pankreasspezifische Enzyme: um das 2-fache erhöht

 

Aufgrund der begrenzten Aussagekraft der Laborparameter wurden Pankreas-spezifische Tests bzw. Marker entwickelt, die eine sicherere Diagnose ermöglichen.

• Canine pankreasspezifische Lipase (CPLI)
• Trypsinähnliche Immunreaktivität (TLI)
• Trypsinogen-Aktivierungspeptid (TAP)
• Pankreatische Immunreaktivität (PLI)

 

Diese spezifischen Labortests sind ein wichtiges Puzzlestück auf dem Weg zur richtigen Diagnose. Es sei hier angemerkt, dass sich eine erfolgreiche Diagnose nur auf einem Fundament mehrerer erworbener Befunde zusammensetzt. Nämlich den Symptomen, den Befunden der klinischen Untersuchung und den Befunden der Bildgebeneverfahren (Ultraschall und Röntgenuntersuchung), sowie letztendlich der Blutuntersuchungen.

Die Abweichung dieser Pankreas-spezifischen-Enzyme geben noch keine 100%ige Sicherheit, ob es sich hierbei um eine Pankreatitis, Bauchspeicheldrüsenentzündung handelt, denn diese Enzyme können auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein.

 

Röntgenuntersuchung:

Befunde sind sehr unspezifisch, Detailverlust der serösen Häute, Ascites, verstärkte Strahlendichte im rechten kranialen Anteil des Bauchraumes, Verschiebung des Zwölffingerdarmes nach ventral.
Es sei anzumerken, dass die Röntgenuntersuchung auch dazu empfohlen wird um Differentialdiagnosen bei Erbrechen, Durchfall, Mattigkeit etc. auszuschließen. Sollten hier keine weiteren Befunde erhoben werden, ist eine Pankreatitis sicher nicht auszuschließen, aber jedoch ein Fremdkörper oder ein Ileus.

Ultraschalluntersuchung:

Diese Untersuchung dient nicht alleine der Darstellung des Pankreas durch die Ultraschalluntersuchung, sondern während der Untersuchung werden alle Strukturen der Bauchhöhle genau untersucht. Auch hiermit können weitere Differentialdiagnosen ausgeschlossen werden. Im Ultraschall kann festgestellt werden, ob das Pankreas seine physiologische/gesunde Struktur besitzt, oder ob es vergrößert, verkleinert, das Gewebe teilweise entzündlich verändert ist, oder ob es ödematisiert ist (Flüssigkeitseinlagerungen)ist, ob die Ränder glatt oder höckerig sind. Zudem kann durch die Dopplersonographie der Grad der Durchblutung des Pankreasgewebes bestimmt werden. Wodurch die erhöhte Durchblutung in bestimmten Pankreasanteilen die Entzündungsherde nachgewiesen werden können.

Sollte während einer Ultraschalluntersuchung keine Veränderungen des Pankreasgewebes dargestellt werden können, ist eine Pankreatitis immer noch nicht auszuschließen.